Interview Tim Löhrer

Das Interview mit unserem neuen Spielertrainer Tim Löhrer

Nach der Trennung in der letzten Saison von Trainer Marcel Novotny nach nur drei Monaten übernahm ein Trainertrio die restliche Saison – mit Tim Löhrer als Teil davon. Für die Saison 26/27 macht der EHC Herrischried nun den nächsten Schritt: Tim übernimmt als Spielertrainer, führt die Mannschaft also künftig sowohl auf dem Eis als auch von der Bande aus.

Das Interview in voller Länge:
Tim, deine 3. Saison für den EHC Herrischried – wie kam es dazu, dass du jetzt als Spielertrainer übernimmst?
In meiner Eishockeykarriere war ich schon im jungen Alter in der Leistungssportförderung beim EHC Basel bis hin zur 1. Mannschaft. Dort hatten wir bzw. ich über alle Stufen sehr starke und erfahrene Coaches. Natürlich hatte jeder Coach seinen eigenen Stil und dies war für mich hilfreich mein eigenes Spiel zu entwickeln. Durch die Entlassung von Marcel wurde vom Vorstand eine «Notlösung» gesucht. Durch meine Erfahrung – trotz jungen Alters – wollte ich dem Verein helfen und das Team zusammen im Trio führen. Im Vergleich zu den Vorjahren verlief die letzte Saison in meinen Augen sehr gut, aber die Play-offs haben wir leider sehr knapp verpasst. Danach fanden Gespräche mit dem Vorstand des EHC Herrischried statt und es entstand eine schnelle Einigung. Seit Beginn bin ich ein Spieler, welcher immer voran geht und versucht, das Beste aus dem Team herauszuholen. Dies jetzt noch zusätzlich als Trainer machen zu dürfen freut mich riesig.

Nach dem Abgang von Marcel wart ihr zu dritt als Trainertrio im Einsatz. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Mit Tomas Zourek und Philipp Lippold hatte ich zwei «alte Hasen 😉» und ebenfalls Kernspieler an meiner Seite. Mit unserer Erfahrung und gebündelter Power konnten wir das Team super führen und jeder hatte seine Aufgabe. Ich war dankbar um die Unterstützung, da ich leider teilweise abwesend sein musste aufgrund meines Studiums und so nicht jedes Training leiten konnte. Die Zusammenarbeit war super und auch das Team hat es sehr gut aufgenommen.

Was hast du aus dieser Übergangsphase für dich mitgenommen – auch im Hinblick auf deine neue Rolle?
Schwierig zu sagen. Als Spielertrainer ist es nie einfach. Man ist auf dem Eis voll fokussiert sein aber muss gleichzeitig auch neben dem Eis schauen, ob da alles so funktioniert wie angedacht. Eine gute Organisation vor dem Spiel ist das A und O. Mein Rezept vom letzten Jahr war es, so viel wie möglich bereits vor dem Spiel zu kommunizieren (Powerplay, Boxplay, usw.). Natürlich habe ich auch einige kleine Fehler an der Bande gemacht. Wiederum viele richtigen Entscheidungen getroffen, welche sich als «Game-Winner» herausgestellt haben. Somit gehe ich positiv gestimmt in die neue Saison und versuche es immer besser zu machen wie im vorgängigen Spiel.

Die Doppelrolle als Spieler und Trainer ist keine leichte Aufgabe. Wie stellst du dir vor, das im Alltag zu meistern?
Durch meinen Leistungssport war mein Alltag von morgens bis abends sehr durchgetaktet – Tag für Tag und dies über mehrere Jahre hinweg. Somit kann ich sehr gut mit Stress umgehen und mein Körper bzw. mein Geist funktioniert am besten mit etwas Stress und Druck im Gepäck😉. Zu Beginn der letzten Saison war es für mich eine kleine Umstellung. Dies konnte ich jedoch schnell klären und war völlig in meinem Element. Wie vorhin schon erwähnt, ist eine gute Organisation sehr wichtig.

Was verändert sich für dich im Umgang mit deinen bisherigen Teamkollegen, wenn du jetzt gleichzeitig ihr Trainer bist?
Für mich bleibt alles beim gleichen – hoffentlich für meine Kollegen auch. Mir ist bewusst, dass ich mir bei manchen Entscheidungen nicht immer die besten Freunde mache, aber ich habe gewusst was auf mich zukommen wird, wenn ich das Engagement als Spielertrainer eingehe. Wir sind alles erwachsene Eishockeyspieler und wissen mit Kritik umzugehen, auch wenn es vielleicht mal lauter wird in der Garderobe oder auf der Bank. Schlussendlich gibt es kein Platz für ein angekratztes Ego im Team. Alle müssen zusammenhalten – egal ob Spieler oder Coach. Der Erfolg des Teams steht für mich im Vordergrund und der Rest kommt danach.

Was dürfen die Spieler in der kommenden Saison von dir als Trainer erwarten?

Trainer ist in meinen Augen eine Funktion, in der Spieler auch mit privaten Problemen zu einem kommen können. Der Trainer kann dann auch die Leistung besser einschätzen, wenn er weiss, was in diesem Spieler vorgeht. Ich versuche zu allen gleich fair zu sein, alle möglichst gleich spielen zu lassen, damit sich alle weiterentwickeln können. Wir sind ein durchmischtes Team – junge Spieler, aber auch einige Routiniers. Natürlich wird nach Leistung bewertet und das gilt für alle Spieler. Ich möchte ein Coach sein, welcher eine gute Stimmung ins Team bringen kann. Harte aber gute Trainings, ernste aber auch lustige Einheiten gehören für mich dazu.

Was können die Fans von der Mannschaft unter deiner Führung erwarten?

Attraktive und hart umkämpfte Spiele. Wir werden als Team auftreten und immer 100% geben. Auch wenn es ein schwieriges Spiel sein wird, geben wir nie auf und geben die ganzen 60 Minuten Vollgas.

Wie wichtig ist dir der Kontakt zu Fans und Ehrenamtlichen?

Der Kontakt ist mir sehr wichtig. Der Verein ist ohne seine Fans und ehrenamtlichen Helfern nichts. Ohne sie geht nichts. Die Stimmung in der Halle ist immer gut und ohne alle wären die Spiele gar nicht möglich.
Wie würdest du deine Spielphilosophie beschreiben?
Ich als Person bin eine sehr ruhige Person, aber auf und neben dem Eis kann ich sehr laut werden. Während dem Eishockeyspielen bin ich ein sehr impulsiver Spieler und auch Coach. Ich möchte schnell, hart und klug spielen. Es beginnt nicht mit den Spielvarianten auf dem Eis, sondern bereits in der Garderobe. Eine positive Stimmung ist enorm wichtig in meinen Augen. Je grösser der Zusammenhalt und die positive Stimmung ist, desto mehr ist auf dem Eis möglich. Die Gegner sollen wissen, dass es gegen uns schwierig wird ein Spiel aufbauen zu können und sie müssen wissen, dass es gegen uns immer weh tun wird. Mein Motto: Hart aber Fair.

Nicht alle Mannschaften in der Liga sind gleich stark besetzt. Wie gehst du als Trainer damit um?
Wir werden Spiele haben, in denen wir als Favorit hineingehen, aber auch Spiele haben, in denen wir der Underdog sind. Somit müssen wir ein vielfältiges Spiel haben und mehrere Systeme kennen und anwenden zu können. Aggressiv, ruhig, klug und durchdacht. Jeder Gegner hat seine Stärken und Schwächen – auch wir. Wir müssen lernen, unsere Schwächen zu minimieren und die Stärken auszuweiten. Wir müssen versuchen, die Schwächen des Gegners direkt ausnutzen zu können.

Welchen Stellenwert hat die Nachwuchsarbeit für dich?
Einen sehr grossen. Ohne die Nachwuchsarbeit kann der Verein nicht lange überleben. Für mich ist der Nachwuchs wichtiger als die 1. Mannschaft. Je besser die Junioren ausgebildet werden, desto grösser ist die Chance, Spieler in die 1. Mannschaft nachziehen zu können. Für Verein und Fans ist dies natürlich Gold wert, wenn die eigenen Junioren in der 1. Mannschaft eingesetzt werden.

Welche Ziele hast du dir mit dem EHC für deine erste Saison als Spielertrainer gesetzt?

Habe ich mir auch Gedanken dazu gemacht, bevor ich den Posten als Spielertrainer angenommen habe. Mein Ziel war aber sehr schnell klar: PLAY-OFFS. Andere würden jetzt sagen «Ich will Meister werden», «nicht letzter werden» oder sonstiges… Aber in meinen Augen ist Meister noch nicht realistisch. Letzte Saison haben wir uns wieder gut gefangen nach einigen schlechten Saisons. Wir müssen uns zuerst mehrere Jahre im vorderen Mittelfeld festsetzen können. Natürlich würde ich den Meistertitel mit Handkuss nehmen, aber man muss realistisch bleiben. Wir werden viele Starke Gegner und viele umkämpfte Spiele haben. Wir müssen uns jeden Punkt verdienen, Spiel für Spiel schauen und am Ende sehen wir, wie weit es reicht.

Wir wünschen Tim für seine neue Doppelrolle alles Gute und freuen uns auf eine spannende Saison 26/27!

FOTO TIM LÖHRER

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