Interview Philip Rießle

Interview mit unserem Neuzugang Philip Rießle über Leidenschaft, Teamgedanke und den Blick nach vorne

Mit Philip Rießle verstärkt ein Spieler mit viel Erfahrung die Defensive des EHC Herrischried. Über sieben Jahre trug er als Kapitän das „C“ des EHC Freiburg, führte den Club durch mehrere Aufstiege bis in die DEL2 und gilt bis heute als eines der bekanntesten Gesichter des südbadischen Eishockeys. Nach dem Ende seiner Profikarriere blieb er dem Sport treu und ist weiterhin aktiv am Puck. Zur Saison 26/27 zieht es ihn nun zum EHC Herrischried, wo er künftig in der Defensive für Stabilität sorgen soll.

Das Interview in voller Länge:
Philip, du hast eine lange Karriere auf Profi-, Halbprofi- und höchstem Amateur-Niveau hinter dir, unter anderem als langjähriger Kapitän des EHC Freiburg in der DEL2. Was hat dich gereizt, jetzt für den EHC Herrischried aufzulaufen?

So lange bei mir am Ende eines jeden Sommers noch immer die Vorfreude auf eine neue Saison vorhanden ist, möchte ich mit dem Eishockeyspielen eigentlich noch nicht aufhören. Und ich wollte mit 38 Jahren noch einmal nach einer neuen Herausforderung suchen und denke, diese mit Herrischried und speziell der schweizerischen Liga gefunden zu haben.

Von der DEL2 und Oberliga bis zu deiner jetzigen Station – wie hat sich dein Blick auf den Sport im Laufe deiner Karriere verändert?
Ich würde sagen, auf den Sport an sich eigentlich gar nicht. Diesen liebe ich noch mindestens genauso sehr wie zu Beginn meiner Karriere. Die Berührungspunkte sind im Laufe der Zeit sogar eher noch mehr geworden, was unter anderem auch an Social Media und der schier unendlichen Möglichkeiten liegt, Informationen und Nachrichten über Eishockey zu erhalten. Was mir mit der Zeit jedoch immer bewusster wurde, war, wie dankbar ich sein kann, überhaupt die Möglichkeit gehabt zu haben, so viele Jahre Profisport in der DEL2 und Vollzeitjob unter einen Hut bringen zu können.

Du bist ursprünglich als Stürmer gestartet und hast später auf die Verteidigung umgesattelt. Wie kam es zu diesem Wechsel und was macht dir an der Position heute am meisten Spaß?
Ursprünglich, zu meinen Anfängen im Nachwuchs, war ich bereits Verteidiger und wurde dann mit ca. 12 Jahren zum Stürmer umgeschult. Warum, kann ich gar nicht mehr sagen. Und dann müsste es zu Beginn der Oberliga-Saison 2013/2014 gewesen sein, als wir in Freiburg einen Mangel an Verteidigern hatten, wodurch ich wieder zum Verteidiger umfunktioniert wurde. Entweder lag es daran, dass ich damals der Stürmer war, der am besten Rückwärtslaufen konnte oder aber ich der Stürmer war, von dem am wenigsten Offensivgefahr ausging. Ich würde jetzt einfach mal Ersteres behaupten 😊. An der Position des Verteidigers mag ich, dass ich das Spiel auf dieser Position gut lesen und somit auch etwas besser steuern kann und ich in der Regel auch oft mehr Eiszeit erhalte.

Als Kapitän trugst du über viele Jahre Verantwortung für eine ganze Mannschaft. Wie viel von dieser Erfahrung nimmst du mit nach Herrischried, auch wenn du hier „nur“ als Spieler auflaufen wirst?
Zunächst einmal versuche ich immer, die Erfahrungen, die ich bislang in meiner Karriere sammeln durfte, vor allem an die jüngere Generation in der Mannschaft weiterzugeben. An sich wird sich für mich persönlich nicht viel ändern, unabhängig davon, ob ich ein ‘’C’’ auf der Brust trage oder nicht. Ich werde weiterhin viel Verantwortung innerhalb des Teams übernehmen, als Ansprechpartner – vor allem für die jüngeren Spieler – zur Verfügung stehen und Situationen ansprechen, die mir auf dem Eis auffallen. Und wer mich kennt, weiß, dass es für mich selbstverständlich ist, mich dem Team unterzuordnen und die Rolle einzunehmen, die von mir verlangt wird und die vor allem dem Team bestmöglich weiterhilft, um erfolgreich zu sein.

Was kannst du den jüngeren Spielern im Team konkret mitgeben – fachlich wie menschlich?

Das kann ich so konkret noch nicht beantworten, da jeder Spieler individuell ist, mit seinen ganz eigenen Stärken und Schwächen, sowohl auf als auch neben dem Eis. Ich versuche deshalb immer, möglichst individuell auf die jüngeren Spieler einzugehen und mich mit ihnen auszutauschen. Wichtig finde ich, dass sie Spaß am Eishockey haben und auch lernwillig sind. Eine Sache, die mir allerdings immer ein Anliegen ist, ist die Bereitschaft aller Spieler, in jedem Spiel alles zu geben und das Team über den Einzelnen zu stellen.

Der Sprung von der Profi-Liga DEL2 zu einer Amateurliga ist auch ein Sprung in eine andere Eishockey-Welt. Was unterscheidet sich am meisten, was ist überraschend ähnlich geblieben?
Da gibt es schon viele Unterschiede. Es beginnt beim Zeitaufwand. Von August bis April hatten wir im Profibereich in der Regel nur montags frei, der Rest der Woche bestand aus Training und Spielen. Wir hatten mit Vorbereitung, Hauptrunde und Play-Offs/Play-Downs meistens so um die 70 Spiele pro Saison. Dazu kamen noch die teilweise langen Busfahrten, sowie der ein oder andere Sponsorentermin. Entsprechend professionell muss die Struktur des Vereins und des Teams sein. Ansonsten unterscheidet sich natürlich auch das Spiel an sich deutlich. In der DEL2 ist die Intensität und auch die spielerische Qualität eine ganz andere als im Amateurbereich, alles geschieht deutlich schneller und intensiver, eigene Fehler werden viel häufiger vom Gegner bestraft als in einer Amateurliga. Was aber tatsächlich ziemlich ähnlich ist, sind die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen um den Eishockeyverein herum, ohne die kein Verein überleben könnte, weder in einer Profi- noch in einer Amateurliga. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einfach mal einen großen Dank an alle Ehrenamtlichen im Verein aussprechen, die so viel Freizeit und Energie investieren, um einen Verein wie den EHC Herrischried am Laufen zu halten.

Wie bist du auf den EHC Herrischried aufmerksam geworden und was hat dich am Umfeld hier überzeugt?

Ich wollte mich gegen Ende meiner Karriere gerne noch einmal einer neuen Herausforderung stellen und Herrischried bietet hierfür gute Voraussetzungen. Wir spielen in der Schweiz in einer attraktiven Liga mit vielen guten Mannschaften. Darüber hinaus gibt es für uns noch die Chance, dass wir uns im Pokal mit Mannschaften aus anderen schweizerischen Ligen messen. Und natürlich freue ich mich, dass wir in Herrischried viele Fans bei den Heimspielen haben, die die Mannschaft lautstark unterstützen. Auch das erste Treffen mit der Vorstandschaft war sehr positiv, sodass ich ein gutes Gefühl hatte, in Herrischried zuzusagen.

Du bist bekannt für deinen Kampfgeist und deine Zweikampfstärke in der Defensive. Wie würdest du deinen Spielstil selbst beschreiben?
Ich würde mich als Spieler bezeichnen, der ein hohes Eishockey-Verständnis besitzt, ein Spiel gut lesen und Situationen gut antizipieren kann. Ein Spieler, dessen Ziel es ist, sehr solide zu spielen, nach Möglichkeit – vor allem defensiv – keine größeren Fehler zu machen, die Mitspieler auf dem Eis bestmöglich zu unterstützen und in jedem Spiel alles für die Mannschaft zu geben.

Verletzungen und Rückschläge gehören zu jeder langen Karriere dazu. Was hat dich in schwierigen Phasen angetrieben, weiterzumachen?

Tatsächlich habe ich mich eigentlich nie motivieren müssen, mit dem Eishockey weiterzumachen. Die Freude am Eishockey ist bei mir einfach viel zu groß, sodass ich diesen Sport nicht einfach so hinter mir lassen könnte. Und vermutlich treibt mich auch das Wissen über die viele Zeit meines Lebens, die ich in diesen Sport bereits investiert habe, immer wieder an. Eishockey ist einfach ein großer Teil meines Lebens, das war es schon immer und wird es bestimmt auch immer sein.

Was erwartest du von dir selbst in deiner ersten Saison beim EHC Herrischried?
Eigentlich kann ich diese Frage ganz einfach beantworten. Ich möchte der Mannschaft mit meiner Erfahrung und meiner Spielweise helfen, gutes und vor allem erfolgreiches Eishockey zu spielen, damit wir den Fans viel Freude bereiten und sie gerne zu den Heimspielen ins Stadion kommen.

Und was erwartest du von der Mannschaft und vom Umfeld – auch mit Blick auf die Fans?

Ich erwarte von unserem Team, dass wir als Einheit auftreten, wir füreinander spielen, wir uns in keinem Spiel – unabhängig vom Spielstand – aufgeben und wir uns als Mannschaft stetig weiterentwickeln.
Vom Umfeld bzw. den Fans würde ich mir wünschen, dass sie weiterhin zahlreich ins Stadion kommen, uns lautstark unterstützen und auch zu uns halten, sollte es einmal nicht so laufen wie erhofft.

Welchen Rat würdest du jungen Nachwuchsspielern mitgeben, die von einer Karriere wie deiner träumen?
Meiner Meinung nach ist es ganz wichtig, dass die Kinder Spaß am Eishockey haben. Außerdem finde ich, dass der Wille entscheidend ist, vor allem in Phasen, in denen es mal nicht so läuft wie gewünscht. Niederlagen gehören genauso zum Sport wie Siege, nur mit dem Unterschied, dass man aus Niederlagen meistens noch mehr lernen kann. Ansonsten ist es wichtig, dass die Kinder nicht den Mut verlieren an ihren Träumen und Zielen festzuhalten und interessiert daran sind, auf dem Eis Neues zu lernen und Dinge auszuprobieren, auch wenn es vielleicht nicht gleich auf Anhieb klappt.

Wo siehst du den EHC Herrischried und dich persönlich am Ende der Saison 26/27?

Für mich ist wichtig, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind. Deshalb ist mein Ziel für die kommende Saison, dass unser Team nach der Hauptrunde zu den Top 4 der Liga gehört und wir uns somit für die Play-Offs qualifizieren. Und dann schauen wir mal, was passiert, aber in den Play-Offs ist so ziemlich alles möglich.

Wir freuen uns, mit Philip Rießle einen Spieler mit außergewöhnlicher Erfahrung und Persönlichkeit im Team begrüßen zu dürfen, und wünschen ihm einen gelungenen Start in Herrischried!

FOTO PHILIP RIESSLE

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